blume des lebens - sonnenuntergang an der ostsee

„Ich bin nicht beweglich genug um Yoga zu machen.“

„Um ein richtiges Workout zu machen muss ich Gewichte heben.“

„Du singst also den ganzen Tag Mantren?“

„Yoga ist langweilig“

Es gibt viele Missverständnisse über Yoga. Als Yogalehrerin höre ich diese fast täglich.

Obwohl Yoga in den letzten Jahrzehnten immer bekannter geworden ist, halten sich die Vorurteile, dass wir Yogis und Yoginis unsere Tage auf dem Kopf stehend, chantend und Grünkohl-Smoothies trinkend verbringen, hartnäckig. Jede Disziplin hat ihre Kritiker und auch Yoga ist da keine Ausnahme. Unter der Fülle der wilden Spekulationen, sind hier die 3 häufigsten Missverständnisse, die mir bisher begegnet sind.

1. Yoga ist doch nur Dehnen

Ok, ich gebe es zu, es ist recht befriedigend einen Kraftsportler zitternd, mit rotem Kopf und schwitzend zu sehen, der glaubte Yoga sei so „einfach“. Der Schüler, der den Yogaraum übermütig betritt ist oft auch der, der ihn erstaunt wieder verlässt, zugebend wie anstrengend die physische Praxis des Yoga sein kann. Und oft ist es genau dieser Schüler, der regelmässig zum Unterricht wiederkommt. Das Missverständnis, dass Yoga nicht viel mehr ist als nur leichtes Stretching ist aber durchaus verständlich. Bei so vielen verschiedenen Yogastilen und -richtungen passt Yoga nicht in eine bestimmte Schublade. Yoga kann alles sein, von einer schweißtreibenden Cardio-Einheit bis zu einer Therapie-Sitzung. Es kann meditativ sein, aber auch dem Muskelaufbau dienen. Du kannst die Yogaklasse verlassen und Dich wie ein Tänzer, ein Akrobat oder Wackelpudding fühlen. Obwohl es selbstverständlich wahr ist, dass eine Verbesserung der Beweglichkeit einer der Vorzüge des Yoga ist, gibt es doch eine Vielzahl weiterer Vorteile, wie verbesserte Atemkontrolle, bessere Körperwahrnehmung und mentale Klarheit.

2. Yoga ist (hauptsächlich) das Üben von Yogahaltungen

Yoga ist die Vereinigung von Körper, Geist und Seele. Es ist eine Form von innerem Frieden und die Einheit mit der Umwelt durch das zur Ruhe bringen des ruhelosen Geistes, Erhaltung eines gesunden Körpers und in Frieden mit sich selbst und der Welt um einen herum sein. Diese Harmonie wird durch das Einhalten verschiedener „Regeln“ erlangt. Die Yoga Sutras, geschrieben von Patanjali vor über 2.000 Jahren beschreiben 8 Glieder des Yogapfades, von denen Asana (Yogahaltungen) nur einer ist. Natürlich, von einer Stellung in die nächste fliessend überzugehen kann physisch anstrengend sein und eine Stellung in perfekter Ausrichtung über einen längeren Zeitraum zu halten kann ebenfalls recht anstrengend sein. In diesem Sinne kann eine Yogaklasse durchaus als Sport betrachtet werden. Yoga an sich ist aber mehr eine Lebenseinstellung. Es ermutigt den Übenden täglich einer Reihe von Empfehlungen zu folgen, die ihn eventuell zur Befreiung führt. Diese Empfehlungen könnten zum Beispiel sein immer die Wahrheit zu sagen, Selbstdisziplin zu üben, oder in Einfachheit zu leben. Sie können durch bewusstes Üben wie auch durch Meditation und Atem- und Körperübungen erreicht werden.

3. Alle Yogis sind Vegetarier

„Wie, Du hast ein Steak gegessen? Bist Du denn kein Vegetarier?“ Das ist eine normale Reaktion unter meinen Schülern, wenn das Thema Essen aufkommt, was oft der Fall ist. Ich liebe Essen und ich bin Yogalehrerin und ja, ab und zu esse ich auch mal ein Steak. Auch wenn einige geschockt sind angesichts dieses Geständnisses ist das Argument dass Yogaübende kein Fleisch essen sollten uralt und überholt. So kontrovers dieses Thema diskutiert wird, ist die Wahrheit doch so einfach: Nein, nicht alle Yogis sind Vegetarier.

Natürlich gibt es bestimmte Yogastile, wie Jivamukti, die Vegetarismus oder Veganismus proklamieren. Warum? Eines der Yamas, der Richtlinien aus den Yoga Sutras ist ahimsa oder Gewaltlosigkeit, welches oft so interpretiert wird, dass es auch Gewaltlosigkeit gegenüber Tieren beinhaltet. Und daher sollten keinen Tiere zur Nahrungsgewinnung getötet werden. Und das ist ein verständliches Argument. Auf der anderen Seite, kann man unter ahimsa Gewaltlosigkeit gegenüber dem eigenen Körper verstehen. Und es gibt sicher Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen tierische Produkte wie Fleisch benötigen. In diesem Fall könnte man argumentieren, dass die Verweigerung der Aufnahme der Nährstoffe einem Gewaltakt gleich kommt und somit dem Grundsatz von ahimsa widerspricht. Am Ende ist es eine persönliche Entscheidung Fleisch zu essen oder nicht und etwas mit dem sich jeder Yogaübende zwangsläufig irgendwann auseinander setzen wird.

Ungeachtet des physischen, spirituelle oder ernährungsbedingten Hintergrundes, gibt es für jeden den passenden Yogastil. Lass Dich darauf ein und experimentiere bis Du Deinen passenden Yogastil gefunden hast. Von Ashtanga über Iyengar bis Kundalini und alles was dazwischen ist, gibt es sicher auch einen Stil, der Dich anspricht.

XOXO
Eure Silke

(Bildquelle: Fotolia)

Geschrieben von Silke

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